In der schwäbischen Aussprache ist die Unterscheidung zwischen „ao“ und „au“ grundlegend. Die korrekte Unterscheidung zwischen gesprochenem „ao“ [ao] und „au“ [ou] zählt sozusagen zum Kerngeschäft der schwäbischen Sprache. Und: Mit dieser Unterscheidung hat das Schwäbische große europäische Partner, zum Beispiel das Englische. Es unterscheidet "loud" [ao] laut und "load" [ou] laden, now [ao] jetzt und know [ou] wissen usw.
Das lautlich flache Hochdeutsch dagegen kennt die Sprechung „au“ [ou] nicht mehr. Der Duden geht sogar so weit, dass er nicht einmal in englischen Fremdwörtern wie "homepage" oder "download" die Aussprache mit "au" tolerieren will. Aber keine Sorge: Niemand muss sich vorschreiben lassen, was im Hochdeutschen alles verboten sei. Wenn Sie Schwabe/Schwäbin sind: Wollen Sie sich tatsächlich das Maul verbieten lassen?
Jeder Schwabe und jede Schwäbin unterscheidet diese beiden Diphthonge. Aber warum ist im Schwäbischen die unterschiedliche Sprechung "ao" und "au" so wichtig? Diese beiden unterschiedlichen Laute dienen im Schwäbischen wie im Englischen dazu, ähnliche, aber unterschiedliche Wörter zu unterscheiden. In der germanistischen Fachsprache ausgedrückt: Im Schwäbischen sind "ao" und "au" keine Allophone, sondern Phoneme. Beispiele:
Schwäbisch au - ao | hochdeutsch |
Taub - taob | Taube - taub |
au - ao | au (Schmerzlaut) - auch |
aus - aos | aus - uns |
glauba - glaoba | klauben - glauben |
Hauch - haoch | Hauch - hoch |
Nur nebenbei: Das Schwäbische ist eine sehr gut differenzierende Sprache. Gleichartige Unterscheidungen kennt das Schwäbische deshalb auch bei den Diphthongen "ei" und "ai", bei den Vokalen "e" und "ä" und bei den Vokalen helles a und dunkles a (geschrieben a bzw. å).
Die Leiche im Keller des Hochdeutschen
Die klare Unterscheidung der beiden Laute ao und au galt noch um 1400 n. Chr. herum im ganzen hochdeutschen Sprachraum - bis das heutige Hochdeutsche aufkam und ohne Sinn und Gespür für sprachliche Differenzierungen diese Unterscheidung plattmachte. Dabei stellte es sich auch noch ziemlich dämlich an: Die Sprechung wurde zu ao gemacht, die Schreibung dagegen zu au. Da hat das Hochdeutsche eine Leiche im Keller.
Das Schwäbische dagegen unterscheidet beide Wörter bis heute gut hörbar: Das Substantiv wird mit "au" gesprochen, das Adjektiv mit "ao".
Die schwäbisch - englische Verwandtschaft
Das Englische unterscheidet wie das Schwäbische klar zwischen "ao" und "ao". Sie bemerken es zum Beispiel im Wort „download“. Dieses Wort enthält, klar unterschieden, die beiden Laute „ao“ (down) und „au“ (load). Für Schwaben ist das kein Problem, hier ein sehr gutes Englisch zu sprechen - wir kennen ja die beiden unterschiedlichen Laute!
Der Duden dagegen stellt sich völlig borniert an, was englische Fremdwörter mit ao und au anbelangt. Einige Beispiele: Er verlangt für das Fremdwort "download" als hochdeutsche Aussprache „daonloot“ (ja, richtig gelesen!). Noch schlimmer bei „Homepage“: Da soll man „hoompeetsch“ sprechen. Und englisch "show" soll hochdeutsch "schoo" gesprochen werden. Ein solches Deutsch ist debiles Flachdeutsch statt gutes Hochdeutsch.
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