Gesamtschwäbische Grammatik
Die Grammatik - Gemeinsames Fundament des schwäbischen Sprachraums
Schwäbisch wird zwar meist als Dialekt diskriminiert und abqualifiziert, für den es keine Regeln gäbe. Es ist aber kein Dialekt. Es ist als Sprache sehr gut darstellbar, einschließlich seiner Grammatik.
Die grammatische Ausprägung des Schwäbischen erfolgte im gesamten schwäbischen Sprachraum gemeinsam, vom Schwarzwaldkamm im Westen bis zum Lech im Osten. Diese Grammatik ist das einheitliche Fundament des ganzen schwäbischen Sprachraums.
Was regional variiert, ist der Klang der Aussprache; auch können einzelne Orte ein paar andere landwirtschaftliche Wörter haben als ihre Nachbarorte. Das war´s dann aber schon zum Thema: "Dia emm Nachbarort hend fae a ganz andors Schwäbisch wia mir!".
Beispiele für gesamtschwäbische grammatische Gemeinsamkeiten
1. Beispiel: Das Verb "haben"
Überall hört man statt des zweisilbigen hochdeutschen "wir haben/ihr habt/sie haben" im Schwäbischen die einsilbige Kompaktform "hend" bzw. "hand/hant". Sie ist überall der Einheitsplural für alle drei Personen des Plurals. Die grammatische Grundstruktur dieser einsilbigen Wortform ist mit h*nd bzw. h*nt überall gleich. Sie ist ebenso überall meilenweit vom zweisilbigen hochdeutschen "haben/habt" entfernt.
Nur die Klangfarbe des Vokals dazwischen variiert:
- nördliches und mittleres Schwäbisch "mir/ir/se hend"
- südliches und südöstliches Schwäbisch "mir/ir/se hand/hant".
2. Beispiel: Die Personalpronomen
Überall gleich sind die Personalpronomen. Dies gilt für alle Personalpronomen, Singular wie Plural, auch für deren für Nominativ, Akkusativ usw.
Überall gibt es die Personalpronomen auch in zweierlei parallelen Formen: betont und unbetont. Beispiele (betont/unbetont): "i/e" ich, "mii/me" mich, "sui/se" sie (Einzahl), "uich/ich" euch, "sia/se" sie (Mehrzahl) usw.
Diese komplett zweifache Reihe der Personalpronomen ist eine bis jetzt nirgends beachtete, aber herausragende Besonderheit des Schwäbischen. Im Hochdeutschen gibt es derartiges nicht einmal in Ansätzen. Auch europaweit kommt eine solche Unterscheidung zwischen betonten und unbetonten Personalpronomen nur in Ansätzen vor.
3. Beispiel: Das Verb "tun"
Überall gebrauchen Schwaben das Verb "doa" tun als Hilfsverb zur Bildung des Konjunktivs, egal ob im Westen im Schwarzwald oder im Osten am Lech, egal ob im nördlichen Backnang oder im südlichen Biberach. Es ist überall die gleiche grammatische Grundform zu finden.
4. Beispiel: Das Partizip Perfekt
Im gesamten schwäbischen Sprachraum wird das Partizip Perfekt bei Verben, die mit einem Verschlusslaut beginnen, ohne die Vorsilbe "ge" gebildet. Beispiele: bfiffa gepfiffen, bliiba geblieben, kaofd gekauft, drädda getreten usw. Dies ist im Übrigen eine im gesamten oberdeutschen Sprachraum gemeinsam gültige Grammatik.
Stand 0626