Geschlechtsunterschiede



Männlich oder weiblich?

Viele kennen den Unterschied zwischen dem süddeutschen der Butter und dem norddeutschen die Butter. Darüber sind schon ganze Romane geschrieben worden. Das Wort Butter ist lateinisch-altgriechischen Ursprungs und hat sich als männliches Wort in Europa verbreitet. Auch wenn der Duden sich taub stellt: Das weibliche die Butter ist eine norddeutsche dialektale Eigenwilligkeit.  

Das Hochdeutsche ist eine Sprache, die hier und in zahlreichen weiteren Fällen Geschechtsumwandlungen betrieben hat. Das "Deutsche Wörterbuch" der Brüder Grimm (die so genannte "Bibel der Germanisten") gibt für jedes Wort das sprachgeschichtlich richtige Geschlecht explizit an. 

Insgesamt gibt es im Hochdeutschen weit mehr als hundert Wörter, bei denen das Hochdeutsche das Geschlecht umgemodelt hat. Die allermeisten Fälle gehen auf das Konto „Ursprünglich männlich - jetzt hochdeutsch weiblich″. Hinzu kommen weiter ganze Wortgruppen, die hochdeutsche ebenfalls ein anderes Geschlecht verpasst bekommen haben: Ziffern, Schulnoten und Liniennummern im öffentlichen Verkehr sind in fast allen europäischen Hochsprachen männlich. Der norddeutsche Sprachraum ein sprachlicher Ausreißer, und der Duden sein bornierter Vertreter.

Die schwäbische Sprache dagegen ist beim Geschlecht vieler Wörter dezidiert europäisch, beispielsweise bei der Schoklad, der Karren, das Cola, das Schorle - auch hier hat das Schwäbische (und mit ihm herkömmlich der ganze süddeutsch-österreichisch-deutschschweizerische Sprachraum) das europaweit übliche Geschlecht bewahrt. Zwei Beispiele, die ich selbst erlebt habe: 

"Der" Album              "Der" Brennnessel


Die Brüder Grimm - keine Wirtshausbesucher? 

Aufmerksamen Wirtshausbesuchern fällt auf, dass man in einigen Gegenden in Süddeutschlands in „die Schwane" geht, und nicht in „den Schwanen", zum Beispiel im Bereich der Zollernalb (Bild oben: Meßstetten). Im mittleren Württemberg dagegen geht man in "den Schwanen" (Bild unten: Neckartailfingen). Wir stoßen da auf eine alte Geschichte: In der spätgermanischen Zeit, als unsere Vorfahren mit den Römern im Teutoburger Wald kämpften, war dieser Vogel noch weiblich. Das Schwäbische kennt es sowohl männlich wie weiblich. 

Die Brüder Grimm schreiben im „Deutschen Wörterbuch“ (ich gebe ihre verklausulierten Formulierungen in heutigem Deutsch wieder): „Ein Femininum existiert ... im Rheinland und Westfalen, auch im Hessischen.“ Die beiden Brüder scheinen demnach keine häufigen Wirtshausbesucher gewesen zu sein, jedenfalls nicht in Süddeutschland. Sonst hätten sie gewusst, dass man auch im Schwäbischen und am fränkischen Main „in die Schwane“ gehen kann. 

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