Die Leiche r im Keller des Hochdeutschen 


Im geschriebenen Hochdeutschen kommt das r zwar relativ häufig vor. Im gesprochenen Hochdeutschen wird aber das r fast überall zu einem schwachen a verflacht. Gesichert gesprochen wird das r hochdeutsch nur noch am Wortanfang und vor einem Vokal. Das Hochdeutsche hat mit seiner weitgehend r-freien Aussprache eine Leiche im Keller. 

Der Laut r wird dagegen schwäbisch (und ebenso alemannisch) immer gut hörbar und damit vorbildlich ausgesprochen. 

Übrigens: Das Bairische hat sich der weitgehend r-freien hochdeutschen Aussprache angeschlossen. Vielleicht ist das der Grund, dass sich die Bayern mit Hochdeutsch leichter tun als die Schwaben und Alemannen? Den bayrischen Ministerpräsidenten nennt man in seinem eigenen Bundesland jedenfalls den "Söda".

Ein tabellarische Vergleich der Aussprache des r im Hochdeutschen und im Hochschwäbischen zeigt folgendes: 

deutsch geschrieben  

deutsch ohne r gesprochen

schwäbisch mit r gesprochen 
(nördliches/südliches) 

er, der 
für, ver 
unter, über 
aber, oder 

äa, däa 
füa, fäa 
unta, üba  
aba, oda 

är, dor/dr 
firr, vorr/vr  
ondor/ondr, ibor/ibr  
abor/abr, odor/odr

Lehrer, Schüler 
Bücher, Häuser 
Oper, Opa  

Lehra, Schüla 
Bücha, Höüsa 
Opa (!), Opa  

Läror/Lär´r, Schialor/Schialr Biachor/Biachr, Heisor/Heisr  
Oba, Obor/Obr



Sie glauben das mit dem weitgehend r-freien Hochdeutschen nicht?

Dann werfen Sie mal einen kritischen Blick in den Aussprache-Duden. Er propagiert ausdrücklich die weitgehend r-freie Aussprache des Hochdeutschen. Ein solches Deutsch verdient nicht die Bezeichnung Hochdeutsch, sondern allenfalls Flachdeutsch. In den Medien und in den Schulen gilt dieses Flachdeutsch gedankenlos als Standard. 
Unglaublich, aber wahr: Was der Aussprache-Duden vorschreibt, hört sich so an: 

  "Im Fäanseen hat däa Sprächa den Repoata zitiat".
"In däa Schule liest däa Lära mit seinen Schülan in den Büchan". 



Ein Witz, der so nur im Hochdeutschen vorstellbar ist, spielt mit der hochdeutschen Aussprache des Wortes "Quark". Sie ahnen es schon: Der Frosch in diesem Witz spricht r-freies "Quak", weil jeder annimmt, dass dieses Wort hochdeutsch r-frei gesprochen wird. In diesem Fall ist das allerdings falsch. Da meint sogar der Aussprache-Duden, dass man dieses Wort mit r sprechen sollte.


Auch dieser Witz gehört dazu. Da hat die Lehrerin die unerwartete Antwort des Schülers vermutlich zuerst gar nicht verstanden. Aber der Schüler spricht ja nur so, wie ihn seine Lehrerin dazu erzogen hat. Der Witz zeigt, wie selbst bei akademisch gebildeten Lehrkräften die kritische Verstand aussetzt, sobald es um das vom Duden propagierte r-freie Flachdeutsch geht. 


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