Die Leiche y
Die Aussprache des Buchstabens y
Dieser Buchstabe stammt aus dem Griechischen. Aber bereits zur Zeit Jesu Christi wurde das Ypsilon, sogar auch (!) im Griechischen, nicht mehr als ü, sondern als reines i gesprochen. Mit dieser Sprechung als i kam das y in alle europäischen Sprachen hinein, auch in die deutsche Sprache. Deshalb trägt das y im Französischen heute die Bezeichnung "i grec", im Spanischen "i griego", auf Deutsch: griechisches i.
Bei dieser Aussprache als i ist es in allen europäischen Hochsprachen geblieben - bis auf das Deutsche. Es diente im Deutschen von den ersten überhaupt deutsch geschriebenen Texten im 8. Jahrhundert für fast tausend Jahre als verzierende Schreibung des kleinen und leicht übersehenen i. So schrieb auch noch Dr. Martin Luthers in seiner Bibelübersetzung ganz selbstverständlich ym, bey, seyn, Leyd, Unsynn usw. statt wie heute im, bei, sein, meine, Unsinn usw. Da sprach niemand üm, beü oder ähnlichen Unsünn.
Erst etwa um 1650 n. Chr. begannen einige deutsche Gelehrte, eine Retro-Aussprache als ü zu konstruieren. Sie nannten sich die "Fruchtbringende Gesellschaft" und waren im sächsisch-thüringischen Raum lokalisiert. Zu ihnen gehörten u. a. Johann Christoph Gottsched und Johann Christoph Adelung. Diese Gelehrten wollten ein von allem "Unfeinen" gereinigtes Hochdeutsch erschaffen. Aber sie haben dadurch das Hochdeutsche ohne Sinn und Verstand aus dem europäischen Konsens hinaus katapultiert. Der Duden schweigt zu diesem europafeindlichen Verbrechen des Hochdeutschen.
Mit der widersinnigen ü-Aussprache des Buchstabens y hat das Hochdeutsche eine Leiche im Keller.
Die anderen europäischen Sprachen, romanische, germanische wie slawische Sprachen, sprechen das y schlicht und richtig als i. Oder wie sprechen Sie englisches family und happy aus? Mit der Retro-ü-Aussprache für das y wurde die europäische Aussprache des Buchstabens y im Hochdeutschen ermordet.
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Sie glauben das mit dem y nicht?
Dann lesen Sie doch einfach mal den Eintrag zu Y im "Deutschen Wörterbuch" von Jacob und Wilhelm Grimm! Allerdings müssen Sie dafür einiges an Zeit und Mühe aufbringen - der Eintrag ist lang.
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