Grundlagen für diese Homepage



Wer über die schwäbische Sprache redet oder schreibt, sollte Auskunft geben über die Herkunft seiner Erkenntnisse und Behauptungen. Diese kritische Selbstreflexion ist für diese Homepage verpflichtend.

Hinzu kommt: Wer in der heutigen Zeit noch Forschungen zur schwäbischen Sprache betreiben will, muss sich sehr stark beeilen. Die älteren Jahrgänge, die ein noch relativ unverfälschtes, grammatikalisch und lautlich hoch differenziertes Schwäbisch sprechen, sind bald nicht mehr am Leben.

Was sind die Grundlagen für gutes Schwäbisch? 


1.  Beiläufig mitgehörtes Schwäbisch aus dem Alltag   

Diese Homepage beruht auf einer sehr großen Zahl von Aufzeichnungen über den alltäglichen Sprachgebrauch grundmundartlich sozialisierter schwäbischer Senioren und Seniorinnen. Nur das, was beiläufig mitgehört und nicht gezielt erfragt worden sind, ist authentisch und unverfälscht. 

Warum? Gezieltes Abfragen führt oft zu Antworten in einer anderen Sprachebene, die die Gefragten für die "bessere" halten. Das aber ist nicht mehr das rein grundmundartliche Schwäbisch, in dem die schwäbischen Sprecher/innen im Alltag miteinander kommunizieren. 

Die jüngeren Jahrgänge ab etwa 1960 sprechen, als Folge der pädagogisch und staatlich forcierten Umsprachung auf Neudeutsch, nur noch ein rudimentäres Restschwäbisch. Dieses taugt ebenfalls nicht mehr als Grundlage für wissenschaftliche Studien über die schwäbische Sprache - allenfalls dafür, wie weit deren Zerstörung schon fortgeschritten ist.


2.  Umfangreiches Studium der klassischen schwäbischen Literatur 

Die klassische schwäbische Literatur beginnt kurz vor 1700 und reicht bis etwa 1980. Die Werke dieser Zeit sind so gut wie frei von hochdeutschem Einfluss. Sie bieten ein sprachlich durchdachtes und gut formuliertes Schwäbisch. Es gibt eine große Anzahl solcher Werke, sowohl dichterischer als auch erzählerischer Art. Diese wurden umfangreich ausgewertet. 

Nicht mehr brauchbar für Aussagen über die schwäbische Sprache sind dagegen die zahlreichen kommerziellen Mundartbücher seit etwa ab 1980. Ihren Autoren und Autorinnen geht es nicht mehr um sprachliche Genauigkeit, sondern um billigen Jux und Belustigung der Käufer/innen. Die Autoren und Autorinnen lassen keinerlei tiefere Reflektion über Sprechung und Schreibung erkennen; zudem ist ihr "Schwäbisch" bereits vom Hochdeutsche korrumpiert. Grammatikalische und phonetische Grundkenntnisse sind bei ihnen ohnehin Fehlanzeige. 


3.  Vergleich des Schwäbischen mit dem Alt- und Mitteldeutschen 

Die Erkenntnisse aus dem mündlichem und dem schriftlichem Schwäbisch wurden intensiv verglichen und geprüft. Dazu herangezogen wurden die germanistischen Standardwerke für das Studium des Altdeutschen (ca. 750-1050 n. Chr.) und des Mitteldeutschen (ca. 1050-1350 n. Chr.). 

Als außerordentlich hilfreich erwiesen sich auch die ausführlichen wortgeschichtlichen Angaben im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm. Dadurch entstanden bis in Details hinein Erkenntnisse über die Bildung und Ausprägung dessen, was wir in Analogie zum Hochdeutschen das Hochschwäbische nennen. 

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