Die schwäbische Phonetik (Lautlehre)


„Das Schwäbische ist, wie das Italienische, eine Vokalsprache“

(August Lämmle, Es leiselet im Holderbusch S. 209)



Hinweise zu den Homepage-Seiten über die Phonetik 

Die Angaben zur Aussprache des Hochdeutschen beruhen auf einer umfassenden Auswertung des Dudens Band 6: "Duden - Das Aussprache-Wörterbuch". Für Vergleiche mit dem Althochdeutschen wurde das universitäre Standardwerk Braune/Hiedermanns, Althochdeutsche Grammatik I herangezogen. 

Die Angaben zur Aussprache des Hochschwäbischen wurden geprüft anhand der Werke von:
Karl Bohnenberger, Die Mundarten Württembergs; J. K. Brechenmacher, Schwäbische Sprachkunde; Friedrich E. Vogt, Schwäbisch in Laut und Schrift; Eduard Huber, Schwäbisch für Schwaben und Eduard Groner, Gschriebå wiå gschwätzt.

Die älteren Jahrgänge, die noch ein relativ unverfälschtes und lautlich hoch differenziertes Schwäbisch sprechen, sind bald nicht mehr am Leben. Wer heute noch Forschungen zur Phonetik der schwäbischen Sprache betreiben will, muss sich sehr stark beeilen. 

Die jüngeren Jahrgänge ab etwa 1960 sprechen, als Folge der forcierten schulischen Umsprachung auf Neudeutsch nur noch ein zerstörtes Restschwäbisch. Dieses taugt nicht mehr als Grundlage für wissenschaftliche Studien über die schwäbische Sprache - allenfalls dafür, wie weit deren Zerstörung schon fortgeschritten ist.


Schwäbischer Klangreichtum


Die schwäbische Sprache verfügt über einen außerordentlich großen Reichtum an Selbstlauten. Er ist sehr viel höher als der des Hochdeutschen. Dies gibt der schwäbischen Sprache ihren unverkennbaren musikalischen Klang. Die Vergleichszahlen sind: 

Das Hochdeutsche verfügt nur über 13 Selbstlaute (9 Monophthonge und 4 Diphthonge).
Das Hochschwäbische verfügt über 30 Selbstlaute (14 Monophthonge und 16 Diphthonge).

Das Hochdeutsche ist im Vergleich zum Hochschwäbischen eine ziemlich klangarme Sprache. Rein hochdeutsch ausgebildete Germanistinnen und Germanisten sind meist nicht in der Lage, die hochdifferenzierten feinen Unterschiede im Schwäbischen herauszuhören - schlichtweg deswegen, weil es die schwäbischen Vokale, Diphthonge, Nasalvokale und Leichtvokale im Hochdeutschen nicht gibt.



Streichquartett und Sinfonieorchester 

Wenn man den Klangreichtum des Hochdeutschen mit einem Streichquartett vergleicht,
dann besitzt das Hochschwäbische den Klangreichtum eines ganzen Sinfonieorchesters.




Grundlagenwerke zur schwäbischen Phonetik


Die rein erhaltene schwäbische Phonetik ist dokumentiert in den folgenden wissenschaftlichen Werken:

Karl Bohnenberger, Zur Geschichte der Schwäbischen Mundart im XV. Jahrhundert, Tübingen 1892;  Neudruck 1971 Dr. Martin Sändig oHG, Niederwalluf bei Wiesbaden, ISBN 3-500-22980-8

Karl Bohnenberger, Die Mundarten Württembergs, 1928 Silberburg-Verlag Stuttgart 
Wer immer behauptet, Schwäbisch zu kennen, muss dieses Buch studiert haben! 

Josef Karlmann Brechenmacher, Schwäbische Sprachkunde, 1925 Verlag von Adolf Bonz und Comp, Stuttgart; Nachdruck 1987 HUND GmbH, Saulgau (keine ISBN) 

Roland Groner,
Gschriebå wiå gschwätzt, 2007 SP-Verlag Albstadt, ISBN 978-3-9811017-4-4 
Ein umfangreiches populärwissenschaftliches Buch, südwestschwäbisch orientiert

Jochen Müller,
Der mittelschwäbische Dialekt am Beispiel der Urbacher Mundart, ISBN 3-89821-190-8. 
Dieses germanistisch fundierte Buch ist das einzige (!) weit und breit, das den Zerfall des schwäbischen Dialekts von einer Generation zur nächsten wissenschaftlich dokumentiert. 

Aktualisiert 2602