nahezu unmöglich macht
Das Hochdeutsche erschwert an sehr vielen Stellen eine gute Schreibung des Schwäbischen. Es ist in sehr vielen Fällen nicht möglich, die schwäbische Aussprache von Wörtern durch das Schriftdeutsche auch nur annähernd zutreffend zu schreiben.
Der tägliche Blick in die Rubrik "Auf gut Schwäbisch" in den Zeitungen im Großraum Stuttgart zeigt die erschütternde Hilflosigkeit der Leserbriefschreiber/innen, ihr Schwäbisch auch nur annähernd zutreffend zu schreiben. Die Zeitungen ihrerseits weigern sich, ihnen zu helfen. Denn ihnen geht, trotz der Überschrift, nicht um gutes Schwäbisch, sondern um Leserbindung.
Nachfolgend einige Beispiele für das Problem, Schwäbisch vom Hochdeutschen her zu schreiben
1. Das e/ä - Problem
a.) Das Hochdeutsche schreibt den Grundlaut ä immer als e.
hochdeutsch geschrieben | hochdeutsch gesprochen |
Bett, Bremse, Messer, | Bätt, Brämse, Mässa, |
Nur wenn das ä der Umlaut zu a ist, schreibt das Hochdeutsche ä: Apfel>Äpfel, Wahl>wählen usw.
b.) Das Hochdeutsche schreibt ein Umlaut-ä, wo schwäbisch ein Umlaut-e gesprochen wird.
hochdeutsch ä geschrieben | schwäbisch e gesprochen |
Länge, Äpfel, Hände, | Leenge, Ebfl (Mehrzahl!), Hend |
c.) Bei 80% der Wörter, bei denen deutsch e oder ä geschrieben wird, liegen Deutsch und Schwäbisch über Kreuz. Die wenigsten Schwaben/Schwäbinnen wissen oder bemerken das.
Einige Beispiele:
Deutsch geschrieben:
Bett, beten, Hemd, Schere, Wetter, Besen, fegen, besser, schneller, schleppen
Deutsch gesprochen:
Bätt, beten, leben, Hämd, Schere, Wätter, Besen, fegen, bässa, schnälla, schläppn
Schwäbisch gesprochen:
Bett, bäten, Hemmed, Schäre, Wätter, Bäasa, fäaga, besser, schnäller, schlebba
In 80% der Fälle gilt die Faustregel:
Spricht man deutsch "e" - dann spricht man schwäbisch meist "ä".
Und umgekehrt:
Spricht man deutsch "ä" - dann spricht man schwäbisch meist "e".
2. Das a - Problem
Das Hochdeutsche kennt nur einen (1) a-Laut, das Schwäbische dagegen 4! Das Schwäbische kennt
- ein helles a
- ein dunkles a
- ein nasaliertes a
- einen Leichtlaut des nasalierten a.
Alle vier Laute sind hochschwäbisch untereinander Phoneme, keine Allophone!
Mit ihrer Unterscheidung werden also sinnunterschiedliche Wörter unterschieden.
Wie soll man da als Schwabe/Schwäbin die eigene Sprachvielfalt beim Schreiben ausdrücken können, wenn das Hochdeutsche so einfältig ist?
3. Das ng/nk - Problem
Hochdeutsches ng bezeichnet den Laut [ŋ], nk dagegen die Lautkombination [ŋ] + [k].
Dadurch werden hochdeutsch zum Beispiel die Wörter singen und sinken unterschieden.
"nk" ist eine Kurzschreibung für gesprochenes "ng-k". Schriftdeutsch gibt es kein "ngk".
Schwäbisch wird aber klar unterschieden gesprochen: "ng" und "ng-g".
Dieser Unterschied macht im Schwäbischen unterschiedliche Wörter aus!
Nahezu alle schwäbischen Mundartschreiber/innen sind darüber ahnungslos.
Dennoch muss man schwäbisch klar unterscheiden:
schriftdeutsch | hochdeutsch gesprochen | schwäbisch gesprochen |
singen <> sinken | sing-en <> sing-ken | seng-a <> seng-ga |
Bleibt noch anzumerken:
Im Frühsommer dieses Jahres 2026 wies Albrecht Hartmann in der Zeitungsspalte "Auf gut schwäbisch" auf diese Wörter mit Sinndifferenz und deshalb nowendiger Schreibdifferenz hin. Hartmann darf für die Zeitung jeweils montags in der Spalte "Auf gut schwäbisch" erklärende Hineise bringen. Also wies er auf hochdeutsch ng <> nk=ngk hin, schwäbisch ng <> ngg hin, und führte als Beispiele explizit drenga <> drengga und senga <> sengga auf.
Aber nur wenige Wochen später war alles vergessen, und die Leserbriefschreiber/innen und der verantwortliche Redakteur schrieben wieder alle Wörter nur mit "ng", als wäre nichts gewesen. Aber was meinten die Schreiber/innen dann mit ihrem drenga, senga, wenga? Der Sinn lies sich nur noch aus dem Satzganzen erschließen. Gutes Schwäbisch waren und sind diese und andere hochdeutsch verursachten Schreibungen allesamt nicht.
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