Der Laut r im Schwäbischen
Im größten Teil des deutschen Sprachraums dagegen wird das r nur schwach, wenn überhaupt, gesprochen. Nur in seiner Südwestecke, also in Baden-Württemberg, im schwäbischen Bereich Bayerns und in der deutschsprachigen Schweiz wird das r vorbildlich artikuliert.
Sprachen mit stärkerer Aussprache des "r" nennt man rhotisch, solche mit schwächerer Aussprache des "r" nichtrhotisch. Diese Bezeichnung kommt vom griechischen Buchstaben "rho" (r). Das Schwäbische zählt damit zu den tendenziell stärker rhotischen Sprachen. Rhotische Varianten kennt auch das Englische: Das amerikanische Englisch ist tendenziell rhotisch, das britische tendenziell nichtrhotisch.
Im einzelnen lässt sich im Schwäbischen Folgendes beobachten
1. Auswirkung des r auf einen vorausgehenden Vokal:
1.1 Ein nachfolgendes r bewirkt nach einem vorausgehenden langen Vokal einen leichten Übergangsvokal, der mal mehr nach a und mal mehr nach o klingen kann.
So spricht man zum Beispiel "Wuarschd" Wurst und "Duarschd" Durst, "biarschda" bürsten und "ziara" zieren.
1.2 Ein im Althochdeutschen noch vorhandenes i wird durch nachfolgendes r zu einem ä abgetönt, zum Beispiel in "därfa" dürfen oder "färchdich" furchtbar, fürchterlich. Das heutige Hochdeutsch hat hier aus dem i ein ü gemacht.
2. Innerschwäbische feine Unterschiede:
2.1. Im nördlichen Schwäbischen wird vor dem Endungs-r kein e gesprochen, sondern ein leichtes o. In Wörtern wie Bücher, Meister, der, oder, aber usw. wird deshalb ein unbetontes leichtes o hörbar: Biachor, Måeschdor, dor, odor, abor usw.
2.2. Im südlichen Schwäbischen wird vor dem Endungs-r kein Vokal gesprochen: Biachr, Måeschdr, dr, odr, abr usw. Dafür besitzt das r einen silbischen Charakter; lokal wird es öfters auch als rollendes r gesprochen.
Der tabellarische Vergleich mit dem Hochdeutschen ergibt folgendes:
deutsch geschrieben | deutsch ohne r gesprochen | nord-/südschwäbisch |
er, der | äa, däa | är/är, dor/dr |
Lehrer, Schüler | Lehra, Schüla | Läror/Lär´r, Schialor/Schialr Biachor/Biachr, Heisor/Heisr |
3. Der Laut r im Hochdeutschen
Der Aussprache-Duden propagiert ausdrücklich die weitgehend r-freie Aussprache, anstatt auf seine saubere Aussprache hinzuwirken. Dieses Deutsch verdient nicht die Bewertung Hochdeutsch, sondern nur Flachdeutsch, auch wenn es vom Duden stammt. In den Medien und in den Schulen gilt dieses Flachdeutsch gedankenlos als Standard. Dieses Flachdeutsch hört sich dann so an:
"Im Fäanseen hat däa Sprächa den Repoata mit aina Nachricht zitiat".
"In däa Schule liest däa Lära mit seinen Schülan in den Büchan".
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